Digital Literacy – Mit Kompetenz und Haltung durch die digitale Welt
- Anne Koch

- vor 29 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Digitale Tools sind längst fester Bestandteil unseres Alltags. Wir kommunizieren, arbeiten, lernen und informieren uns digital – und mit KI entwickeln sich die Möglichkeiten noch einmal rasant weiter. Doch reicht es aus, neue Tools bedienen zu können?
In dieser Folge von Future Skills by Twins for Change sprechen wir mit Miriam ("Miri") Klose, Senior Learning Consultant mit Schwerpunkt Learning & Development und KI-Upskilling in Organisationen und Christoph Piller, freiberuflicher Experte für Process Management, Hyper Automation und KI, der sich selbst "The Process Wizard" nennt. Wir gehen der Frage nach, warum Digital Literacy weit mehr bedeutet als reine Toolkompetenz. Es geht um Neugier und Mut, aber genauso um kritisches Denken, Eigenverantwortung und die bewusste Entscheidung, wann uns Technologie wirklich weiterhilft – und wann vielleicht auch nicht.
Highlights der Folge
Digital Literacy bedeutet nicht nur, digitale Tools bedienen zu können, sondern sie bewusst, kritisch und verantwortungsvoll einzusetzen.
Gerade durch KI sinkt die Hürde, selbst digitale Lösungen zu entwickeln und Inhalte zu erstellen – dadurch wird digitale Kompetenz für immer mehr Menschen relevant.
Nicht jedes neue Tool macht unseren Alltag oder unsere Arbeit automatisch besser. Entscheidend ist die Frage: Welches Problem möchte ich eigentlich lösen?
Kritisches Denken wird in Zeiten von KI, Social Media, Fake News und Informationsflut zu einem zentralen Bestandteil digitaler Kompetenz.
Digital Literacy kann gesellschaftliche Teilhabe fördern und den Zugang zu Wissen und Bildung demokratisieren.
Gleichzeitig brauchen wir einen bewussten Umgang mit Technologie, damit wir wichtige menschliche Fähigkeiten nicht einfach an digitale Tools abgeben.
Was bedeutet Digital Literacy eigentlich?
Im Gespräch wird deutlich: Digital Literacy hat mehrere Ebenen. Natürlich gehört dazu, Tools wie KI, Excel, Social Media oder andere digitale Anwendungen bedienen zu können. Doch das ist nur der Anfang.
Mindestens genauso wichtig ist es, zu verstehen, wie Technologie unsere Arbeitsweisen und unser Verhalten verändert. Dazu kommen Neugier und der Mut, neue Anwendungen auszuprobieren und dabei auch Fehler zuzulassen.
Und schließlich braucht es die Fähigkeit, digitale Inhalte und Technologien kritisch zu hinterfragen. Kann ich einer Information vertrauen? Ist eine Quelle verlässlich? Ergibt der Einsatz eines bestimmten Tools überhaupt Sinn? Und kann und möchte ich die Verantwortung für ein KI-generiertes Ergebnis übernehmen?
Christoph bringt es im Gespräch auf eine einfache Formel: digitale Medien mit „Hausverstand“ nutzen.
Gerade KI macht diese Kompetenzen noch wichtiger. Während Digitalisierung früher häufig von Spezialistinnen gestaltet wurde und viele Menschen vor allem Anwenderinnen waren, können heute immer mehr Menschen selbst Inhalte, Automatisierungen und digitale Lösungen entwickeln.
Damit wächst aber auch die Verantwortung.
Digital Literacy für eine regenerative Zukunft
Digitale Technologien können enorme Möglichkeiten eröffnen: Wissen zugänglicher machen, Bildungsbarrieren reduzieren, Prozesse verbessern oder dabei helfen, gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen zu lösen.
Doch Technologie ist zunächst einmal ein Werkzeug. Entscheidend ist, wofür und wie wir sie einsetzen.
Eine regenerative Perspektive auf Digital Literacy bedeutet deshalb auch, nicht jedem technologischen Trend blind zu folgen. Stattdessen können wir uns fragen: Was brauchen wir wirklich? Welches Tool unterstützt einen sinnvollen, wertschöpfenden Prozess? Was trägt zu unserem eigenen Wohlbefinden, zu gesellschaftlicher Teilhabe oder zu einer nachhaltigeren Zukunft bei?
Dazu gehört auch die Frage, welche Fähigkeiten wir als Menschen bewusst behalten möchten. Denn nur weil KI etwas übernehmen kann, heißt das nicht automatisch, dass wir es auch abgeben sollten.
Konkrete Übungen für mehr Digital Literacy
KI als Lernpartner nutzen: Lasst Euch von einer KI zu einem Thema im Kontext Digital Literacy (z.B. KI, Datenschutz) interviewen und identifiziert so Eure eigenen Wissens- und Kompetenzlücken. Anschließend könnt Ihr Euch gezielt Lernmaterialien, Podcasts oder Buchempfehlungen zusammenstellen lassen (z.B. mit Notebook LM).
Verantwortung für KI-Outputs übernehmen: Fragt Euch bei jedem Ergebnis, das Ihr mit KI erstellt und anschließend verwendet: „Würde ich sagen, dass ich diesen Text selbst geschrieben habe, und kann ich die Verantwortung für den Inhalt übernehmen?“ Prüft den Output entsprechend kritisch.
Die 12-bis-24-Stunden-Regel ausprobieren: Ihr entdeckt eine neue App oder ein KI-Tool, das Ihr unbedingt haben wollt? Schreibt zunächst auf, warum Ihr es braucht, wartet 12 bis 24 Stunden und entscheidet anschließend noch einmal bewusst, ob es Euch tatsächlich einen Mehrwert bringt.
Digitale Grenzen setzen: Plant jeden Tag bewusst Offline-Zeiten ein. Legt beispielsweise das Smartphone zur Seite oder klappt den Laptop zu und schafft Euch Zeiträume, in denen digitale Tools keine Rolle spielen.
Eigene Stärken schützen: Schreibt auf, welche Fähigkeiten und Tätigkeiten Ihr bewusst nicht an KI abgeben möchtet. Was macht Euch aus? Wo möchtet Ihr weiterhin selbst kreativ sein, denken, gestalten oder entscheiden? Überprüft diese Liste regelmäßig.
Digital Literacy heißt damit nicht, möglichst viele Tools zu kennen oder jeden neuen technologischen Trend mitzumachen. Es bedeutet vielmehr, Technologie selbstbestimmt zu nutzen und immer wieder bewusst zu entscheiden: Was hilft mir, anderen und vielleicht sogar unserer Gesellschaft wirklich weiter?
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